Informationen zur Psychiatrie im Rheinland
Aktuell: Am 1. September wird um 11 Uhr vor dem Landeshaus des LVR (Kennedy-Ufer 2, 50679 Köln) die Ausstellung Graue Busse eröffnet werden. Da der LVR selber bis heute (23.8.2011) dazu keine Information veröffentlicht hat, hier die Beschreibung und Hinweis zur Eröffnung von der Seite „Gedänkstättenforum“.
Die Schwierigkeiten des LVR, sich kritisch mit seiner eigenen Geschichte vor und nach 1945 auseinanderzusetzen, belegt auch dieses Gesprächsprotokoll von Lothar Gothe vom 8.8.2011 über ein Treffen beim LVR.
Bei diesem Treffen lag auch bereits der gedruckte Flyer zur Ausstellung und dem Rahmenprogramm vor, der aber bisher (24.8. – eine Woche vor Ausstellungseröffnung!) vom LVR noch nicht freigegeben ist. Am Schluss des Faltblatts heißt es: „Die verantwortlichen Anstaltsärzte der Provinzial-Heil- und Pflegeanstalten [deren Rechtsnachfolger der heutige LVR ist] unterstützten aktiv die ‚Euthanasie‘-Politik der Nationalsozialisten. Nur wenige der beteiligten Ärzte wurden nach dem Krieg zur Rechenschaft gezogen.“ Kein Wort davon, dass einige dieser Ärzte, wie der an der T4-Aktion beteiligte Friedrich Panse, nach dem Krieg sogar Karriere beim LVR machen konnten – Panse als Klinikleiter, wie heute selbst auf der Webseite des LVR-Klinikum Düsseldorfs nachzulesen ist. Bei seinem Tod 1973 hatte es in der Traueranzeige der Psychiatrischen Universitätsklinik Düsseldorf noch geheißen: „Ein Leben der Arbeit im Dienst leidender Mitmenschen … ist vollendet.“ (zitiert nach Ernst Klee).
Der LVR hat mittlerweile einen Forschungsauftrag mit dem Titel Aufarbeitung und Dokumentation der Geschichte der Menschen mit Behinderungen und psychischen Erkrankungen in Institutionen des Landschaftsverbandes Rheinland seit 1945 vergeben – da der Druck aus der Öffentlichkeit und von eigenen Beschäftigten zugenommen hat, sich endlich kritisch mit der Geschichte des LVR auseinanderzusetzen. Die Radiosendung im WDR und die prämierte Schülerarbeit haben ihn weiter unter Druck gesetzt. Angesiedelt ist dieser Forschungsauftrag am Institut für Geschichte der Medizin an der Universitätsklinik Düsseldorf – die zumindest dadurch in einem engen Zusammenhang zum LVR steht, dass ihre psychiatrische Abteilung als LVR-Klinikum-Düsseldorf vom Landschaftsverband geführt wird. Hier stellt sich die Frage, wie unabhängig diese Forschung und Aufarbeitung wirklich sein kann.
Materialien & Informationen
- Radiosendung „Arme Irre“ vom 20.3.2011
- „Menschen wie Vieh gehalten“ – Der Skandal um die Schließung der Fachklinik für Psychiatrie und Neurologie des Landeskrankenhauses Brauweiler 1978 – Schülerarbeit des Leistungskurses Geschichte der Jahrgangsstufe 12 am Geschwister-Scholl-Gymnasium in Pulheim, die beim Geschichtswettbewerb des Bundespräsidenten am 18. Juli 2011 im Bonner Haus der Geschichte ausgezeichnet wurde.
- Lothar Gothe, vor dem Gesundheitsausschuss des LVR am 10.6.2011 – im offiziellen Protokoll auf der Seite des LVR wird sorgsam jede Erwähnung von Udo Klausa vermieden. Siehe dazu auch den Artikel Menschen, in Säcke gesteckt von Jörg Kronauer in der Stadtrevue 8-2011.
- Die Schrift Rasse und Wehrrecht (1936) von Udo Klausa, der auf den Seiten des LVR immer noch als ihr großartiger „Dirigent“ von 1953 bis 1975 gewürdigt wird!
- Broschüre zur Skulptur von Denis Stuart Rose: Beinahe alltägliche Begebenheiten (1981)
- Am 30. Juni 2011 wurde in Brauweiler vom LVR die Ausstellung „Gelenkte Blicke. Rassenhygienische Propaganda und Politik im Kontext des Nationalsozialismus“ eröffnet. Bei der Eröffnungsveranstaltungen wurde das Flugblatt „LVR schamlos!“ verteilt, das auf den Skandal hinweist, dass sich der LVR bis heute nicht zur Rolle seines von 1953 bis 1975 wirkenden Landesdirektors Udo Klausa verhält und bis heute die Vorgänge, die 1978 zur Schließung der Psychiatrie in Brauweiler führten, verschweigt.

